Mein Hund auf der Rennbahn

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

 

Sie sind heute zum ersten Mal bei uns zu Besuch auf dem Gelände des WRV-Bayern e.V. Damit der Tag für Sie und Ihren Hund zu einem hoffentlich ungetrübten Vergnügen wird, möchten wir ihnen zu Anfang ein paar Informationen zum Rennen allgemein, zum Trainingsbetrieb und schließlich auch zum Schutz Ihres Hundes geben.

 

Ein paar Regeln zum Anfang:

Wie Sie sehen teilen wir uns das Gelände mit einem Fußballverein. Die räumliche Nähe verlangt von uns besondere Rücksichtnahme, damit wir auch weiterhin gern gesehene Partner sind und das Rennbahn-Gelände erhalten können.

 

Der häufigste Streitpunkt sind unerwünschte Hinterlassenschaften auf dem Vereinsgelände. Bitte entfernen Sie Hundehäufchen umgehend, entweder in Plastikbeuteln oder mit der kleinen Schaufel (am Eingang zum Auslauf). Bitte werfen Sie die Tüten ausschließlich in die Müllbehälter an der Spielwiese, nicht in die kleinen Mülleimer rings um Rennbahn oder Fußballplätze. Die Fußballer und Tennisspieler sind Ihnen bestimmt auch dankbar, wenn Ihr Rüde nicht ausgerechnet an Vereinsheim oder Tennisplätzen sein Bein hebt.

 

Wenn Sie Ihren Hund auf die Spielwiese lassen möchten, klären Sie das bitte unbedingt vorher mit Personal ab, welches bei uns die Wiesenaufsicht im Verein hat. Infos erhalten Sie an der Essensausgabe, wo man Ihnen weiter helfen kann. Eigentlich sind alle unserer Hunde nett, aber der ein oder andere hat vielleicht doch bestimmte Animositäten. Ganz wichtig: beim Betreten oder Verlassen immer die Tür zuverlässig schließen!

 

Außerhalb der Spielwiese und der Rennbahn gilt auf dem ganzen Gelände strikte Anleinpflicht, zum Schutz Ihrer eigenen und der anderen Hunde. Alle Rennhunde stehen auf dem Platz unter besonderer Anspannung, und mancher vielleicht sonst durchaus spiel freundliche Hund könnte unerwartet unfreundlich reagieren – halten Sie also erst mal höflichen Abstand.

Bitte gehen sie nicht auf der Bahn spazieren und achten sie darauf das Ihr Hund sich nicht am Sattelplatz und den Startkästen erleichtert, das kann andere Hunde die trainiert werden irritieren.

 

Wenn Sie ihren Hund im Auto lassen, sorgen Sie unbedingt dafür, dass es im Schatten steht und ausreichend belüftet ist (notfalls abdecken). Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber immer noch kommt es in überhitzten Autos zu Beinahe-Katastrophen. Beachten Sie auch den wechselnden Stand der Sonne – also während dem gemütlichen Bier in der Pause besser einmal zuviel zum Auto sehen und sich vergewissern, dass es immer noch im Schatten steht.

 

Erste Schritte

 

Nehmen Sie sich bitte beim ersten Besuch auf der Rennbahn mit ihrem jungen Hund nicht allzu viel vor. Machen Sie ihn erst einmal in Ruhe mit der ganzen Atmosphäre, den vielen anderen Hunden, dem Geräusch der Hasenmaschine und dem Lockmittel vertraut. Melden Sie sich zu Beginn des Trainings an und sagen Sie unbedingt Bescheid, dass Sie Neulinge sind. Wir ziehen pro Trainingstag in der Regel 2 Durchgänge – am besten setzen Sie sich während der ersten Runde einfach an die Startgerade und lassen Ihren Hund in Ruhe zusehen. Wahrscheinlich wird er sich sehr schnell für das flitzenden Hasen und für die vorbeirennenden Hunde interessieren. Sollte er jetzt schon laut kläffend in der Leine hängen, gehen Sie besser wieder ein Stück abseits – er hat anscheinend schon verstanden worum es geht. Jetzt sollte er sich nicht weiter unnötig aufregen und verausgaben.

In der Pause können Sie in Absprache mit dem Rennleiter schon mal ein bisschen mit dem Fell üben. Dazu ist man am besten zu zweit - ziehen Sie es ein kleines Stück mit der Hand von dem Hund weg, schütteln Sie es etwas und lassen Sie ihn (vorerst noch an der Leine) schön hineinbeißen und beuteln. Nach und nach können Sie den Abstand vergrößern und ihn immer längere Strecken (20-40m) laufen lassen – dann natürlich ohne Leine.

Falls Ihr Hund gut auf das Lockmittel reagiert, können Sie ihn beim 2. Trainingsdurchlauf schon einmal ein kleines Stück hinter der Hasenzugmaschine laufen lassen. Nicht zu lange – am besten nur die Start-gerade entlang, es geht heute nur darum, sein Interesse zu wecken.

 

Das richtige Alter

 

Die Renn-Ordnung gibt ein gewisses Mindestalter für die Teilnahme an offiziellen Rennen vor: 15 Monate für kleine Rassen (Whippet, Windspiel), 18 Monate für die Großen. Man möchte die Überforderung junger Hunde vermeiden – und daraus sollte der Besitzer schließen, dass er seinem Hund die volle Rennstrecke von 360 bzw. 480m auch erst in diesem Alter zumuten darf. Es ist noch kein Hund zu spät auf die Bahn gekommen, aber sehr viele zu früh... Der Hund wird rennen, so lange er den Hasen sieht, er weiß nicht, dass er sich eigentlich noch zurücknehmen und schonen sollte. Gerade in den Kurven ist die Belastung für die Gelenke durch die auftretenden Fliehkräfte ungemein, es wird gesagt dass sie je nach Rasse und Geschwindigkeit bei bis zu 2-3 Tonnen(!) liegt. Die noch weichen Sehnen und Bänder beim Junghund sind diesen Kräften auf Dauer nicht gewachsen – leider sieht man die Schäden oft nicht sofort sondern erst nach einiger Zeit.

Hier liegt es wirklich am Besitzer, Vernunft zu zeigen und seinen Hund langsam und behutsam anzutrainieren. Die Verlockung ist groß – es macht dem Kleinen ja soviel Spaß! Aber trotzdem: volle Strecke mit 10 Monaten ist kein Beweis dafür, dass der Hund besonders talentiert ist, sondern dass sein Besitzer nicht mit der notwendigen Sorgfalt ans Werk geht.

Bis zum Alter von 12 Monaten sollte kein Hund mehr als die Start-gerade laufen, danach können Sie so langsam mit dem Kurven Training anfangen und die Rennstrecke langsam steigern - mit einem Whippet können Sie zu diesem Zeitpunkt damit beginnen, mit allen großen Rassen warten Sie lieber noch ein bisschen.

Je später sie Ihrem Hund der vollen Belastung aussetzen und je reifer er dabei ist, desto länger werden Sie an der späteren Rennteilnahme Freude haben. Legen sie jetzt die Basis dafür, dass Ihr Hund gesund und mit stabilen Gelenken bis in die Seniorenklasse laufen darf!

 

Das Training

 

Ihr Hund hat jetzt gelernt, dem Hasen auf gerader Strecke hinterherzuhetzen – nun liegt es an Ihnen, ihm das nötige drumherum beizubringen. Eine ausführliche Trainingsanleitung an dieser Stelle würde den Maßstab eines Info-Blattes sicherlich bei weitem sprengen, daher nur ein paar kurze Anmerkungen.

Jeder menschliche Sportler weiß, dass sorgfältiges Aufwärmen vor dem Sport entscheidend zur Vermeidung von Muskel- und Sehnenverletzungen beiträgt. Bei Ihrem Hund ist das nicht anders. Planen Sie gut 10-15 min (bei kühler Witterung besser mehr!) dafür ein. Laufen Sie in lockerem Trab abseits der Rennbahn auf und ab, beugen und strecken Sie die Beine und massieren Sie die Muskulatur. Sorgen Sie dafür, Ihren Hund gerade bei kühlerer Witterung gegebenenfalls durch einen Mantel warm zuhalten – Sportler ziehen ihre Trainingsjacke auch erst ganz kurz vor dem Einsatz aus! Der Aufwärmeffekt hält in etwa 5-10 min an, sie können also immer noch in Ruhe zum Start gehen. Vermeiden Sie, dass sich Ihr Hund schon vor dem Start durch Bellen, Springen, Leine zerren etc. völlig verausgabt – warten Sie evtl. lieber etwas abseits vom Geschehen. Genauso wichtig wie das Aufwärmen ist ein sorgfältiges Abgehen nach dem Lauf: Die Grundregel lautet: solange, bis der Hund in etwa wieder normal atmet. Lassen Sie ihn trinken, aber nicht zuviel auf einmal. Sie können ihn bei großer Sommerhitze auch durch Begießen der Läufe etwas abkühlen, niemals aber eiskaltes Wasser über die stark bemuskelten Körperpartien schütten – besser nur ein feuchtes Handtuch für kurze Zeit darüber legen. Erhitzte Muskeln dürfen niemals schlagartig abkühlen!

Geradeaus laufen kann jeder Hund, in den Kurven muss er aber lernen, seine Geschwindigkeit kontrolliert zu drosseln, um nicht aus der Bahn getragen zu werden. Am besten beginnen Sie mit dem Kurven Training direkt am Eingang der Kurve und lassen ihn aus der Kurve hinaus auf die Gerade gehen. Dann steigern Sie das Stück Gerade vor Eingang der Kurve langsam immer ein bisschen mehr – vermeiden Sie unbedingt, dass Ihr Hund ungeübt aus voller Beschleunigung aus der Geraden heraus in die Kurve knallt!

Der Startkasten ist für jeden unerfahrenen Hund zunächst etwas schreckliches – er ist eng, dunkel und meist sehr laut beim Öffnen. Vermeiden Sie unbedingt jede Gewalt am Kasten, Ihr Hund soll irgendwann einmal freudig hineindrängen weil er weiß, dass das der Weg zum begehrten Hasen ist. Zunächst locken Sie ihn in aller Ruhe mit dem Lockmittel durch die geöffnete Box – traut er sich nach einer Weile, können Sie die Box vorne schließen, Ihren Hund vor die geschlossene Box setzen, sofort öffnen, durchlaufen lassen. Nach und nach immer ein kleines Stückchen weiter hineinsetzen – und bei jedem Anzeichen von Angst sofort wieder einen Schritt zurück! Lassen Sie sich dabei Zeit, Sie müssen den Startkasten nicht unbedingt in der allerersten Trainingsstunde sofort meistern!

An Maulkorb und Renndecke gewöhnt man den Hund am besten zuhause. Immer mal kurz aufsetzen, ein bisschen herumspielen (vielleicht mit einem kleinen Fellstück an einer Angel), wieder absetzen. Sie werden sehen, daran gewöhnt er sich schneller als man denkt!

Das eigentliche Training, um den Hund fit zu bekommen, passiert nicht am Wochenende auf dem Rennbahn-Gelände, sondern alltags zuhause! Bewegen Sie Ihren Hund jeden Tag, lassen Sie ihn wenn möglich auch frei laufen, aber machen Sie nicht des Guten zuviel! Kein Rennhund braucht täglich zweistündige Fahrradtouren, viele Rennhunde sind eher über- als untertrainiert. Das soll natürlich nicht heißen, dass Sie ihren Hund unter der Woche nur auf dem Sofa liegen lassen. Der Tag vor und nach dem Rennbahn-Besuch (egal ob es Training oder richtiges Rennen ist sollte allerdings auf jeden Fall ein Ruhetag sein! Was Sie bis dahin nicht hintrainiert bekommen haben, schaffen Sie jetzt sowieso nicht mehr. Auch wildes, ausgiebiges Herumflitzen und Toben mit anderen Hunden strengt die Muskulatur an und übersäuert sie – nach einem solchen Tag brauchen die Muskeln Erholung.

Ein wichtiger Punkt zum Schluß: achten Sie auf möglichst kurzgehaltene Krallen! Beim Abbremsen am Hasen besteht immer die Gefahr, dass sich die Krallen im Untergrund verhaken und dadurch die Kapseln und Seitenbänder der Zehengelenke überdehnen oder gar reißen. Je länger die Krallen, desto höher das Risiko!

 

Was leistet Ihr Hund wirklich?

 

Bitte vergessen Sie nie, wir Menschen sagen: das Rennen macht dem Hund Spaß – aber für den Hund ist es eigentlich immer bitterernst. Er will den Hasen haben, jetzt und sofort und was immer es koste. Er macht keinen Unterschied zwischen Training und Rennen, er gibt immer alles.

Deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe als Besitzer, die Belastung unseres Hundes zu erkennen und Überanstrengung mit potentiell schlimmen Verletzungen als Folge dringend zu vermeiden!

Grundsätzlich gibt es 2 verschiedene Formen der Energiegewinnung für den Muskel:

a, die aerobe Energiegewinnung, bei der Glucose unter Mitwirkung von Sauerstoff komplett abgebaut wird und

b, die anaerobe Energiegewinnung, bei der die Glucose bei Sauerstoffmangel nur unvollständig zu Milchsäure verstoffwechselt wird. Dies führt zur Übersäuerung des Muskels und zum raschen Leistungsabfall.

Wir müssen uns immer bewusst sein, dass bei einem Vollgassprint, wie ihn unsere Hunde auf der Rennbahn absolvieren, nur wenige Sekunden Sauerstoff für den aeroben Abbau zur Verfügung steht. Danach wird ausschließlich anaerob abgebaut – wir müssen also damit rechnen, dass die Muskulatur kurz nach dem Lauf deutlich übersäuert ist und sich dringend regenerieren muss. Dafür braucht der Hund eine ausreichend lange Pause, in der er sich völlig entspannen kann. Bringen Sie ihn also am besten (nach dem Ablaufen!) ins Auto – lassen Sie ihn auf keinen Fall zwischendrin im Auslauf mit anderen Hunden spielen, auch wenn ihm das noch so viel Spaß machen würde; laufen Sie nicht ununterbrochen mit ihm auf und ab – die anderen Leute haben genügend andere Gelegenheiten zu sehen wie schön Ihr Hund ist.

Übersäuerte Muskulatur neigt stark zu Krämpfen – Sie riskieren Zerrungen oder im ungünstigsten Fall noch schlimmere Verletzungen, wenn Sie Ihren Hund in diesem Zustand sofort wieder auf die Bahn schicken. Ihr Hund kann nicht bewusst entscheiden, sich beim nächsten Lauf etwas zurückzuhalten – das müssen Sie tun, und beim geringsten Zweifel an seiner Fitness auf den Lauf verzichten.

Im Rennen geht der Hund bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und teilweise darüber hinaus. Das Verletzungsrisiko steigt bei Überbelastung enorm – es liegt an uns, unsere Hunde davor zu bewahren!

 

Das soll als erste Information für den Anfang reichen - wir wünschen Ihnen und ihrem Hund viel Freunde auf unserem Gelände, und zögern Sie bitte nicht, uns Löcher in den Bauch zu fragen, wenn Sie weitere Informationen oder Hilfe möchten.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir während des Trainings vielleicht etwas angespannt und manchmal etwas wortkarg sind, nach dem Training und dem Versorgen unserer Hunde sind wir für Sie da.

 

 Ihr WRV Bayern-Team